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Materialmodell
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Ein Materialmodell, Material- oder Stoffgesetz, ist eine Quantifizierung physikalischer Materialeigenschaften.

Materialeigenschaften konstatieren die FĂ€higkeit eines Materials auf physikalische EinflĂŒsse (wie KrĂ€fte, WĂ€rmezufuhren oder Ströme) zu reagieren. Materialmodelle sind unabhĂ€ngig von der Form eines Körpers und meist experimentell motiviert. Ziel eines Materialmodells ist, vorhersagen zu können, wie und in welchem Maß das Material auf Ă€ußere EinflĂŒsse reagiert. Als mathematische Modelle bilden sie die ZusammenhĂ€nge mathematisch ab, die fĂŒr ihre Urheber, die Modellersteller, relevant sind.

Auch wenn sie oftmals als Materialgesetze bezeichnet werden, haben Materialmodelle nicht die allgemeine GĂŒltigkeit physikalischer Gesetze, denn fĂŒr dasselbe Material können verschiedene Modelle von verschiedenen Modellerstellern vorliegen, die sich in folgenden Punkten unterscheiden:

‱ dem Anwendungsgebiet
‱ den betrachteten AbhĂ€ngigkeiten
‱ dem Berechnungsaufwand
‱ der Genauigkeit
‱ dem GĂŒltigkeitsbereich.

Die (unabhĂ€ngigen) EinflussgrĂ¶ĂŸen nennt man Konstitutivvariable und die davon abhĂ€ngigen Reaktionen eines Materials MaterialgrĂ¶ĂŸen oder Materialantworten (englisch material response). Die VerknĂŒpfung der beiden erfolgt in Gleichungen, die Material- oder Konstitutivgleichungen genannt werden. Des Weiteren können auch Ungleichungen auftreten, welche die verschiedene Verhaltensmodi (wie plastisches Fließen, PhasenĂŒbergĂ€nge) des Materials voneinander trennen.

Der denkbar einfachste Zusammenhang zwischen MaterialgrĂ¶ĂŸe und Konstitutivvariable ist die ProportionalitĂ€t: die MaterialgrĂ¶ĂŸe ist gleich einer Konstitutivvariable multipliziert mit einer Konstanten. Ein solcher Zusammenhang hat oftmals definitorischen Charakter fĂŒr eine Stoffeigenschaft, wie die Beispiele Spezifische WĂ€rmekapazitĂ€t, PermittivitĂ€t, PermeabilitĂ€t (Magnetismus) auf der Seite Materialkonstante zeigen.

Materialeigenschaften und daher auch die Materialkonstanten hĂ€ngen immer von der Temperatur ab, was man mit Temperaturkoeffizienten berĂŒcksichtigen kann. Werden im betrachteten Berechnungsfall weitere oder komplexere AbhĂ€ngigkeiten als relevant erachtet, so tritt der Modellersteller auf den Plan, der dann ein fĂŒr den betrachteten Fall geeignetes Modell erstellt (sofern es das noch nicht gibt). Ursachen der KomplexitĂ€t können NichtlinearitĂ€ten, Mehrachsigkeit oder AbhĂ€ngigkeit von mehreren Konstitutivvariablen sein.

Die Kontinuumsmechanik hat einen eigenen Wissensbereich, die Materialtheorie, die sich mit der Klassifizierung von Materialien und Materialeigenschaften und der Erstellung von Materialmodellen beschĂ€ftigt. Die Materialwissenschaft und Werkstofftechnik entwickelt Materialmodelle aus dem BedĂŒrfnis heraus, die von ihr entwickelten Werkstoffe möglichst genau zu charakterisieren.

Contents

‱ Beispiel
‱ Siehe auch
‱ Literatur

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GĂŒltigkeitsbereich

Materialmodelle haben eine eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit, weil sie vom Modellersteller ausgeklammerte EinflĂŒsse nicht berĂŒcksichtigen. Bei der Anwendung der Modelle ist darauf zu achten, ob die dem Modell zu Grunde liegenden Annahmen zutreffen, z. B.:

‱ Umgebungsbedingungen wie Temperatur oder Druck
‱ Zeitspannen, ĂŒber die das Materialverhalten beobachtet werden soll (Langzeit- oder Kurzzeitverhalten)
‱ Änderungsraten der Konstitutivvariablen (statische, quasi-statische, moderate Raten oder Hochgeschwindigkeitsbereiche)
‱ GrĂ¶ĂŸenskala der Materialproben (Makro-, Meso- oder Mikroebene der Betrachtung)
‱ Chemischer Zustand: Materialien können durch Korrosion ihre Eigenschaften verĂ€ndern.

Physikalischer Rahmen

Materialien unterliegen einerseits den physikalischen Gesetzen wie Massen-, Impuls- und Energieerhaltung oder den Maxwellschen Gleichungen. Andererseits folgt eine Materialprobe geometrischen Bindungen, die das Fachgebiet der Kinematik sind; diese beschreibt die möglichen Bewegungen und daraus resultierende Verformungen und Dehnungen. Materialmodelle, die einen quantitativen Zusammenhang zwischen den Variablen in diesen physikalischen und kinematischen Gleichungen angeben, sind dazu geeignet, die Reaktionen eines den Naturgesetzen folgenden Körpers auf Ă€ußere EinflĂŒsse zu berechnen.

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik hat einen Sonderstatus: Bei der Aufstellung von Materialmodellen muss darauf geachtet werden, dass bei allen möglichen zeitlichen VerlÀufen der Konstitutivvariablen die Entropieproduktion des Materials nicht negativ ist.

Einfache Materialien

Manche Materialeigenschaften sind so komplex, dass sie mehr exemplarisch anhand der Reaktion von PrĂŒfkörpern dargestellt werden. Beispiele hierfĂŒr sind die SchlagzĂ€higkeit, KerbschlagzĂ€higkeit oder Bauteil-Wöhlerlinien. Es handelt sich hier also eher um Bauteileigenschaften, weil die Trennung von Materialeigenschaft und Probeneigenschaft (Form, GrĂ¶ĂŸe oder OberflĂ€chenbeschaffenheit des PrĂŒfkörpers) nicht zuverlĂ€ssig oder nicht mit vertretbarem Aufwand gelingt.

Bei den meisten Materialeigenschaften hat sich jedoch die Vorstellung bewĂ€hrt, dass jeder beliebige Teil einer Materialprobe die gleichen Eigenschaften wie die Probe selbst hat. FĂŒr die Bestimmung der Materialantwort an einem Punkt der Probe braucht man dann nur eine (infinitesimal) kleine Umgebung des Punktes in Betracht zu ziehen; das Material reagiert lokal auf lokale EinflĂŒsse.

Ferner lehrt die Erfahrung, dass die Materialantwort vollstĂ€ndig von vergangenen oder gegenwĂ€rtigen, nicht aber von zukĂŒnftigen EinflĂŒssen abhĂ€ngt, dass Materialien also deterministisch sind.

Das Prinzip der materiellen ObjektivitÀt besagt, dass ein beliebig translatorisch oder rotatorisch bewegter Beobachter die gleiche Materialantwort misst wie ein relativ zur Probe ruhender Experimentator.

Materialien die lokal, deterministisch und objektiv sind, nennt man einfach, und nur solche sind der Gegenstand der klassischen Materialtheorie.

Materialgleichungen

Objektive GrĂ¶ĂŸen

FĂŒr MaterialgrĂ¶ĂŸen und Konstitutivvariable können nur objektive GrĂ¶ĂŸen verwendet werden, d. h. solche die ein beliebig translatorisch oder rotatorisch bewegter Beobachter in gleicher Weise wahrnimmt wie ein relativ zur Probe ruhender Experimentator.

Zu den skalaren objektiven GrĂ¶ĂŸen gehören Masse, Dichte, Temperatur, WĂ€rme, spezifische innere Energie und Entropie.

Gerichtete objektive GrĂ¶ĂŸen, also Vektoren, sind z. B. KrĂ€fte, Spannungs-, WĂ€rmefluss- und Entropie­flussvektoren.

Die Geschwindigkeit eines Partikels ist aber z. B. keine objektive GrĂ¶ĂŸe, weil sie von unterschiedlich bewegten Beobachtern unterschiedlich beurteilt wird.

Des Weiteren treten in manchen Naturgesetzen tensorielle GrĂ¶ĂŸen auf, deren ObjektivitĂ€t im Einzelfall zu prĂŒfen ist. Ein wichtiges Beispiel fĂŒr eine tensorielle objektive GrĂ¶ĂŸe ist der Cauchy’sche Spannungstensor.

Arten von Materialgleichungen

Gleichungen, die ein Material beschreiben, können in drei Klassen eingeteilt werden:

1. Solche, die die materielle Symmetrie oder RichtungsabhĂ€ngigkeit angeben. Bei einer solchen sind die Eigenschaften des Materials in der einen Richtung anders als in der anderen. Ein bekanntes Beispiel dafĂŒr ist Holz, das sich in Faserrichtung anders verhĂ€lt als quer dazu (Orthotropie).
2. Materielle Zwangsbedingungen verbieten einem Material bestimmte VerĂ€nderungen. Bekanntestes Beispiel hierfĂŒr ist die InkompressibilitĂ€t, bei der das Volumen einer Materialprobe unverĂ€nderlich ist.
3. Konstitutive Gleichungen, die den funktionalen Zusammenhang zwischen MaterialgrĂ¶ĂŸen und den Konstitutivvariablen formulieren.

WÀhrend die Mitglieder der ersten beiden Klassen algebraischer Natur sind, können bei den konstitutiven Gleichungen auch andere Formen auftreten:

‱ algebraische Gleichungen
‱ Ungleichungen, siehe das Beispiel unten.

Konservative Materialien

Konservative Materialien besitzen eine besondere Form von konstitutiven Gleichungen, bei denen die MaterialgrĂ¶ĂŸe sich aus der Ableitung eines Skalarpotentials nach der Konstitutivvariablen ergibt.

Ein Beispiel hierfĂŒr ist das eindimensionale Hookesche Gesetz, wo

‱ das Skalarpotential der FormĂ€nderungsenergie W = E 2 Δ Δ 2 {\displaystyle W={\tfrac {E}{2}}\varepsilon ^{2}} mit dem ElastizitĂ€tsmodul E {\displaystyle E} entspricht,
‱ die MaterialgrĂ¶ĂŸe der mechanischen Spannung σ σ {\displaystyle \sigma }
‱ die Konstitutivvariable der Dehnung Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } :

d W d Δ Δ = d d Δ Δ ( E 2 Δ Δ 2 ) = E Δ Δ = σ σ {\displaystyle {\frac {\rm {dW}}{\rm {d\varepsilon }}}={\frac {\rm {d}}{\rm {d\varepsilon }}}\left({\frac {E}{2}}\varepsilon ^{2}\right)=E\varepsilon =\sigma }

Hier hat man die besonderen Eigenschaften:

1. WegunabhĂ€ngigkeit: Die MaterialgrĂ¶ĂŸe hat bei gegebenem Wert der Konstitutivvariablen immer denselben Wert, egal auf welchem Weg der Endzustand erreicht wurde.
2. KonservativitĂ€t: Ist das Potential eine Energie, wie im Beispiel oben, so wird entlang eines geschlossenen Weges keine Arbeit verrichtet oder Energie verbraucht. Aufgewendete Arbeiten werden vom System bis zur RĂŒckkehr zum Ausgangspunkt vollstĂ€ndig zurĂŒckgegeben.

Materialparameter

FĂŒr die Quantifizierung des Materialverhaltens enthalten die konstitutiven Gleichungen Materialparameter oder – wie sie auch genannt werden – Materialkonstanten, die gestatten das Modell an gemessene Werte anzupassen. Es ist allgemein ĂŒblich das Modell so zu gestalten, dass die Parameter bei realen Materialien positive Werte haben. Sollten bei der Anpassung negative Werte auftreten, so ist in der Regel Vorsicht geboten.

Die zulĂ€ssigen Wertebereiche der Parameter ergeben sich aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, nach dem zu fordern ist, dass fĂŒr alle erlaubten Werte in allen möglichen zeitlichen VerlĂ€ufen der Konstitutivvariablen die Entropieproduktion des Materials nicht negativ ist, siehe beispielsweise Clausius-Duhem-Ungleichung. Im Beispiel oben wĂ€re zu fordern, dass der ElastizitĂ€tsmodul positiv ist.

Mechanische Feststoffmodelle

Die nachfolgende Aufstellung zeigt ReprĂ€sentanten der vier Materialmodelle der klassischen Kontinuumsmechanik fĂŒr Feststoffe (s. auch Fließgesetz):

‱ Ist der Spannungs-Dehnungs-Verlauf bei Belastung und Entlastung identisch, so ist das Stoffgesetz elastisch oder ideal elastisch (b oder d im Bild) und nicht viskos, d. h. es ist unabhĂ€ngig von der Geschwindigkeit. Ideal elastische Stoffgesetze können nichtlinear sein (b). Ist ein Stoffgesetz dagegen ideal elastisch und linear (d), so spricht man von einem linear ideal elastischen Gesetz. Da dieser Ausdruck sehr lang ist, spricht man abgekĂŒrzt von einem linearen ElastizitĂ€tsgesetz oder einfach nur von einem ElastizitĂ€tsgesetz, z. B. beim Hookeschen Gesetz.
‱ Kommt der Spannungs-Dehnungs-Verlauf bei der Entlastung wieder am Startpunkt an, unterscheidet sich aber der Pfad bei Entlastung von dem bei Belastung (a), so ist das Stoffgesetz viskoelastisch und man sieht eine Hysterese. Bei sehr langsamen Spannungs-Dehnungs-VerlĂ€ufen verschwindet die Hysterese, und man sieht einen Verlauf wie im Bild b. Ein solches Verhalten zeigen gummiartige Stoffe.
‱ Sind Start- und Endpunkt nicht gleich, so spricht man von einem plastischen Stoffgesetz (c). Dies gilt fĂŒr Stoffe, die wĂ€hrend der Belastung fließen, siehe auch das Beispiel unten. Hier hĂ€ngt die Hysterese nicht von der Dehngeschwindigkeit ab.
‱ Sind Start- und Endpunkt nicht gleich und hĂ€ngt die Hysterese von der Dehnungsgeschwindigkeit ab, verschwindet aber auch bei sehr langsamen Spannungs-Dehnungs-VerlĂ€ufen nicht, so liegt ViskoplastizitĂ€t vor (hier ohne Abb.). Die Hysteresekurve bei sehr langsamen Spannungs-Dehnungs-VerlĂ€ufen nennt man hier Gleichgewichtshysterese.

Die vier genannten Materialklassen sind also von der Dehnungsgeschwindigkeit abhÀngig oder unabhÀngig und zeigen eine Gleichgewichtshysterese oder nicht:

| Gleichgewichts- hysterese | RatenabhÀngigkeit | RatenabhÀngigkeit |
|---|---|---|
| Gleichgewichts- hysterese | ohne | mit (viskos) |
| ohne | ElastizitÀt (linear oder nichtlinear) | ViskoelastizitÀt |
| mit | PlastizitÀt | ViskoplastizitÀt |

Das Kriechen und die Relaxation ist eine Eigenschaft viskoser Stoffe.

Besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Spannung und der Dehnung, so spricht man von einem linearen Stoffgesetz (d); es muss auch bezĂŒglich seiner Temperaturausdehnung linear sein. Gesetze, die keinen linearen Zusammenhang zeigen, nennt man nichtlineare Stoffgesetze.

Beispiel

Als Beispiel soll die ideale PlastizitÀt dienen, deren Materialgleichungen sowohl algebraische als auch Differentialgleichungen und eine Fallunterscheidung beinhalten.

Bei der idealen PlastizitĂ€t tritt beim plastischen Fließen keine Verfestigung auf, d. h. die Spannungs-Dehnungs-Kurve hat beim Fließen einen horizontalen Verlauf. Knete ist in etwa ideal plastisch. In der Praxis findet dieses Modell Anwendung, wenn nur die Fließgrenze bekannt ist und man bei der Berechnung der Steifigkeit eines Bauteils diese auf keinen Fall ĂŒberschĂ€tzen will.

Im wichtigen Sonderfall des einachsigen Zuges/Druckes kann man sich auf skalare GrĂ¶ĂŸen beschrĂ€nken und die Materialgleichungen sehr vereinfachen. Der Weg dorthin wird wie in einem mehrachsigen PlastizitĂ€tsmodell mit mehreren Konstitutivvariablen beschritten: die Konstitutivvariable ist die Gesamtdehnung Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } , die MaterialgrĂ¶ĂŸe die Spannung σ σ {\displaystyle \sigma } ; im Zugbereich ist die Spannung positiv, im Druckbereich negativ.

Das Material besitzt einen elastischen Bereich, in dem es elastisch reagiert, und einen plastischen Bereich, in dem plastisches Fließen stattfindet.

Die Gesamtdehnung Δ Δ {\displaystyle \varepsilon } setzt sich zusammen aus der elastischen Dehnung Δ Δ e {\displaystyle \varepsilon _{e}} und der plastischen Dehnung Δ Δ p {\displaystyle \varepsilon _{p}} :

Δ Δ = Δ Δ e + Δ Δ p {\displaystyle \varepsilon =\varepsilon _{e}+\varepsilon _{p}}

Die plastische Dehnung entwickelt sich nur, wenn die Spannung die Fließgrenze k {\displaystyle k} erreicht bzw. ĂŒberschreitet, die ein weiterer Materialparameter ist.

Die Fließfunktion f {\displaystyle f} gibt die Fallunterscheidung zwischen elastischem und plastischem Bereich an:

f = σ σ 2 − − k 2 ≀ ≀ 0 {\displaystyle f=\sigma ^{2}-{k}^{2}\leq 0} .

Elastischer Bereich

Im elastischen Bereich ist f < 0 ⇔ ⇔ | σ σ | < | k | {\displaystyle f<0\Leftrightarrow |\sigma |<|k|} .

Die Spannung hĂ€ngt ĂŒber das hookesche Gesetz von der elastischen Dehnung ab:

σ σ = E Δ Δ e {\displaystyle \sigma =E\;\varepsilon _{e}}

worin E {\displaystyle E} der ElastizitÀtsmodul ist.

Im elastischen Bereich ist Δ Δ ˙ ˙ p = 0 {\displaystyle {\dot {\varepsilon }}_{p}=0} und daher σ σ ˙ ˙ = E Δ Δ ˙ ˙ e = E Δ Δ ˙ ˙ {\displaystyle {\dot {\sigma }}=E{\dot {\varepsilon }}_{e}=E{\dot {\varepsilon }}} .

Plastischer Bereich

Bei plastischem Fließen ist f = 0 {\displaystyle f=0} und daher | σ σ | = k = c o n s t . {\displaystyle |\sigma |=k=\mathrm {const.} } , was das besondere Merkmal der idealen PlastizitĂ€t ist. Allerdings kann | σ σ | = k {\displaystyle |\sigma |=k} auch bei konstanter Dehnung gelten, weswegen Fließen erst eintritt, wenn σ σ Δ Δ ˙ ˙ > 0 {\displaystyle \sigma {\dot {\varepsilon }}>0} ist. Die Fließbedingung lautet also:

f = 0 {\displaystyle f=0} und σ σ Δ Δ ˙ ˙ > 0 {\displaystyle \sigma {\dot {\varepsilon }}>0} .

Das Fließen wird mit der plastischen Dehnung Δ Δ p {\displaystyle \varepsilon _{p}} dargestellt, die eine innere Variable des Modells ist; die plastische Dehnung kann also nicht direkt von außen beeinflusst oder vorgegeben werden.

Im Fall plastischen Fließens bestimmt eine assoziative Fließregel die Evolution der plastischen Dehnung:

Δ Δ ˙ ˙ p = λ λ ∂ ∂ f ∂ ∂ σ σ = 2 λ λ σ σ {\displaystyle {\dot {\varepsilon }}_{p}=\lambda {\frac {\partial f}{\partial \sigma }}=2\lambda \sigma } .

Darin ist λ λ {\displaystyle \lambda } der plastische Multiplikator, der sich aus der Konsistenzbedingung f ˙ ˙ = 0 {\displaystyle {\dot {f}}=0} bei plastischem Fließen ableitet:

f ˙ ˙ = 2 σ σ σ σ ˙ ˙ = 2 σ σ E Δ Δ ˙ ˙ e = 2 σ σ E ( Δ Δ ˙ ˙ − − Δ Δ ˙ ˙ p ) = 2 E σ σ ( Δ Δ ˙ ˙ − − 2 λ λ σ σ ) = 0 ⇒ ⇒ λ λ = Δ Δ ˙ ˙ 2 σ σ = σ σ Δ Δ ˙ ˙ 2 σ σ 2 > 0 {\displaystyle {\begin{aligned}{\dot {f}}&=2\sigma {\dot {\sigma }}=2\sigma E\,{\dot {\varepsilon }}_{e}=2\sigma E\,\left({\dot {\varepsilon }}-{\dot {\varepsilon }}_{p}\right)=2E\,\sigma \left({\dot {\varepsilon }}-2\lambda \sigma \right)=0\\\Rightarrow \lambda &={\frac {\dot {\varepsilon }}{2\sigma }}={\frac {\sigma {\dot {\varepsilon }}}{2\sigma ^{2}}}>0\end{aligned}}} .

FĂŒr die Evolution der plastischen Dehnung bedeutet das:

Δ Δ ˙ ˙ p = 2 λ λ σ σ = 2 Δ Δ ˙ ˙ 2 σ σ σ σ = Δ Δ ˙ ˙ ⇒ ⇒ Δ Δ ˙ ˙ e = 0 ⇒ ⇒ Δ Δ e = konst. ⇒ ⇒ σ σ = konst. ⇒ ⇒ σ σ ˙ ˙ = 0 {\displaystyle {\begin{aligned}{\dot {\varepsilon }}_{p}&=2\lambda \sigma =2{\frac {\dot {\varepsilon }}{2\sigma }}\sigma ={\dot {\varepsilon }}\\\Rightarrow {\dot {\varepsilon }}_{e}&=0\Rightarrow \varepsilon _{e}={\text{konst.}}\\\Rightarrow \sigma &={\text{konst.}}\Rightarrow {\dot {\sigma }}=0\end{aligned}}} .

Zusammenfassung

Die Materialgleichungen der idealen PlastizitÀt können also im einachsigen Fall wie folgt zusammengefasst werden:

| Fließfunktion | f = σ 2 − k 2 ≀ 0 {\displaystyle f=\sigma ^{2}-{k}^{2}\leq 0} |
|---|---|
| Spannungs-Dehnungs- Beziehung | σ ˙ = { 0 falls f = 0 und σ Δ ˙ > 0 E Δ ˙ sonst {\displaystyle {\dot {\sigma }}={\begin{cases}0&{\text{falls}}\quad f=0\;{\text{und}}\;\sigma {\dot {\varepsilon }}>0\\E{\dot {\varepsilon }}&{\text{sonst}}\end{cases}}} |

In den Bildern rechts sind Diagramme eines simulierten dehnungsgesteuerten Zugversuchs angegeben. Das obere Bild zeigt den Verlauf der Dehnungen, das mittlere den Verlauf der Spannung ĂŒber die Zeit und das untere Bild zeigt das Spannungs-Dehnungs-Diagramm dieses ideal plastischen Materials. Als Materialparameter wurden verwendet:

| Parameter | E {\displaystyle E} | k {\displaystyle k} |
|---|---|---|
| Wert | 10000 | 160 |
| Einheit | MPa | MPa |

Am Ende des Versuchs, nach acht Sekunden, wurde die Probe nach einer Gesamtdehnung von 0,045 entlastet, so dass die Spannung verschwindet, also σ σ = 0 {\displaystyle \sigma =0} und daher auch Δ Δ e = 0 {\displaystyle \varepsilon _{e}=0} gilt. Am Ende beobachtet man aber eine bleibende Dehnung, die wegen Δ Δ e = 0 {\displaystyle \varepsilon _{e}=0} der plastischen Dehnung entspricht. Ihre GrĂ¶ĂŸe ist:

Δ Δ = 0,045 − − k E = 0,029 = Δ Δ p {\displaystyle \varepsilon =0{,}045-{\frac {k}{E}}=0{,}029=\varepsilon _{p}} .

Ein realer Körper aus diesem Material wĂŒrde also am Ende des Versuchs nicht in seinen Ausgangszustand zurĂŒckkehren, was das Merkmal der PlastizitĂ€t ist.

Siehe auch
Literatur

‱ Holm Altenbach: Kontinuumsmechanik. EinfĂŒhrung in die materialunabhĂ€ngigen und materialabhĂ€ngigen Gleichungen. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-24118-5, doi:10.1007/978-3-642-24119-2.
‱ Ralf Greve: Kontinuumsmechanik. Ein Grundkurs fĂŒr Ingenieure und Physiker. Springer, Berlin u. a. 2003, ISBN 978-3-642-62463-6, S. 180, doi:10.1007/978-3-642-55485-8 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
‱ P. Haupt: Continuum Mechanics and Theory of Materials. Springer, 2002, ISBN 978-3-642-07718-0, S. 249 f., doi:10.1007/978-3-662-04775-0.